Forschungsprojekt mit der Uniklinik Göttingen - Prof. Kramm

 
 
 
 
 

Neuer Hemmstoff reduziert aggressive Tumoreigenschaften von kindlichen Gliomen

 

In Deutschland erkranken jedes Jahr ca. 450 Kinder unter 15 Jahren an einem Hirntumor. Damit stellen die Hirntumore nach den Leukämien die häufigste Krebserkrankung bei Kindern dar. Leider lassen sich aktuell nicht alle Kinder mit Hirntumoren heilen. Besonders Kinder mit einem Glioblastom sterben trotz aller Fortschritte der modernen Medizin immer noch an ihrer Tumorerkrankung. Dies betrifft in Deutschland bis zu 75 Kinder im Jahr, von denen etwa 60%-70% versterben.

 

Man weiß heute, dass schon zum Zeitpunkt der Diagnose eines Hirntumors bei Kindern einzelne Tumorzellen die Haupttumormasse verlassen haben und in das normale umgebende Hirngewebe eingedrungen sind. Diese ausgewanderten Hirntumorzellen kann der Neurochirurg während der Hirntumor-OP nicht erkennen. Tumorzellen, die wandern, teilen sich oft über Wochen nicht, so dass auch eine Bestrahlung und Chemotherapie diese nicht optimal treffen, da diese am besten auf sich teilende Zellen einwirken. Die ausgewanderten Tumorzellen überleben so und sind dann Ausgangspunkt für einen möglichen Rückfall.

Mit unserem Projekt versuchen wir den Wirkungsgrad der Bestrahlung und Chemotherapie zu verbessern, indem man die Tumorausbreitung medikamentös unterbindet. Es wird untersucht, ob aus anderen Tumorarten bekannte Signalprozesse, die einen besonders aggressiven Tumortyp chrakterisieren und u.a. für die Streuung/Metastasierung der Tumorzellen verantwortlich sind, auch für die Aggressivität von kindlichen Glioblastomen eine Rolle spielen.

Einer der hierbei wichtigen Signalprozesse scheint der Wnt-Signalprozess zu sein. Zudem wollen wir herausfinden, ob dieser Signalprozess auch für das Überleben der ausgewanderten Tumorzellen essentiell ist und ob dessen Hemmung einen therapeutisch positiven Effekt haben könnte.

Mit Hilfe von Menschen für Kinder e.V. begannen wir die Rolle dieses Signalprozesses in kindlichen Glioblastomen zu untersuchen. Hierzu verwendeten wir einen Hemmer des Wnt-Signalprozess und analysierten dessen Wirkung auf kindliche Hirntumorzellen im Labor.

Weitere Untersuchungen deuten ebenfalls darauf hin, dass die Anwendung des genannten Hemmstoffes weitere hirntumortypischer Eigenschaften von kindlichen Hirntumorzellen unterbindet, die mit der Aggressivität dieser Tumoren im Zusammenhang stehen.

Aktuell analysieren wir den Einfluss des Wnt-Signalprozesses auf die Fähigkeit der kindlichen Gliomzellen sich zu bewegen (Migration) und in Gewebe einzudringen (Invasion) - Charakteristika, die für die Streuung der Tumorzellen in umliegendes, gesundes Hirngewebe verantwortlich sind.

Schlussfolgernd könnte die Hemmung dieses Signalprozesses das Auswandern weiterer Tumorzellen in gesundes Hirngewebe reduzieren und womöglich sogar bereits ausgewanderte Tumorzellen abtöten, was allein durch Chemotherapie und Bestrahlung nicht erreicht werden kann.